Montag, 10. April 2017

Schlagzeilen

"Hör mal, wieder ein Mord: Frau brutal hinterrücks erdolcht. Wie schrecklich!"
Gerd schaut von seinem Bierglas auf. "Lass mich raten, ein Ali oder wie die alle heißen. Hat sein Gott ihm gesagt, dass er das machen sollte? Ist doch immer das selbe, da hat die Frau keinen Wert oder höchstens den dreier Schleppkamele. Ich könnte ausrasten!"
"Ja, die sind doch alle so!", Edeltraut blättert die Zeitung um. "Wir lassen Sie hier leben und sie halten sich nicht an die einfachsten Gesetze unseres Herrn. Du sollst nicht töten, sollte doch völlig normal sein."
Mit einem lauten Rülpser stimmt Gerd ihr zu. 
Im Hintergrund läuft das Radio, in dem der Sprecher erst über die politische Lage und Ausschreitungen fachsimpelt und sich dann laut räuspert: 
"Jena. Hans  M. erschlägt im Bierrausch seine Frau. Hans M. hatte wohl 2,8 Promille im Blut, als seine Frau von einem gemütlichen Abend mit Freundinnen nach Hause kommt. Ihr Mann ging wohl von einem Seitensprung aus, dies erklärte er im späteren Verlauf der Polizei. Seine Verteidigung baut auf den extrem erhöhten Alkohlblutwert. Im Moment sind wir von der bloßen Aggression und hinterrücksen Tat mehr als schockiert." 
Das Radio läuft leise, weder Gerd noch Edeltraut hören es. Erst als Helene Fischers neuster Hit durch die Boxen schallt, dreht Edeltraut auf.
"Hol mir mal nochn Bier.", Gerd klopft gemütlich auf seinen Bauch und Edeltraut läuft. Wie immer. 

Donnerstag, 16. März 2017

Zeit

Die Ampel ewig lange roter Farbe, 
wartend mit den Füßen tappen.
Endlich springt die Farbenfolge
und du vergisst die Wartezeit.
Zeit ist ein Konstrukt des Kopfes.
Gefühl das uns den Takt vorgibt.
Doch bist du einfach glücklich,
dann lohnt sich jeder Augenblick.

Mittwoch, 15. März 2017

Grauenhaft

Als der Morgen graute, graute es dem grauen Grafen.
Ergraut war er nicht über Nacht, doch schien es wie ein Wimpernschlag.
Ergraut war nicht nur das holde Haupte, du siehst in ihm was gestern war.
Der Graf mit seinen tristen Träumen, die mächtig sind und doch so alt.
Er sagt das Bunte macht ihm Angst, verschließt die Türe wegen denen.
Die Riegel liegen fest im Schlosse, schiere Sicherheit, doch seine Furcht das wahre Monster, 
ist schon längst in ihm gastiert. Hat sich längst durch ihn gefressen, schreit so laut, er hört 
sonst nichts.
Fremde Meinung, sei ihm wichtig, doch hört er diese einfach nicht. Zu laut das Kreischen
Und das Toben, in dem ach so grauen Haupt. Die Sorge um den Schlüssel riesengroß, 
vor der Welt, zum greifen nahe,  die draußen liegt.
Würd er doch nur, einen Spalt, die Türe öffnen. Könnte riechen, schmecken, sehen diese Welt.
Wer weiß, vielleicht würde das Monster, weichen und ihn hören lassen.
Doch so lebt der graue Graf im Schlösslein Grau in Grauenhaft.

Montag, 23. Januar 2017

Das Leid des Lieds des Alltäglichen - oder wie ich aus einer Mücke einen Elefanten machen kann obwohl Elefanten viel lieber Mücken wären und umgekehrt


Die Sonne ging auf. Tiefer Schmerz liegt auf seinem Herzen. Zeigt ihm, wie es ist, wenn sich eine kalte Hand um den wichtigsten Muskel in seinem Körper legt.
Erst gestern dachte er, dass dieses Gefühl nie wiederkommen würde. Doch da war das Leben erbarmungslos.
Was hat er denn, würdet ihr fragen. Kann man da nichts machen, würdet ihr verzweifelt in die Tasten hämmern und die Suchmaschine zu hunderttausend Ergebnissen zwingen, nur um zu sehen, dass ihr da nichts machen könnt.
Sein Lieblingspudding war im Kühlschrank abgelaufen. Schweren Herzens riss er trotzdem die Alufolie des Bechers weg, fuhr langsam mit dem Löffel in die vanillefarbene Masse.
Gestern hatte er es überlebt, als er das heruntergefallene Stück Schokolade gegessen hatte. Heute würde er den abgelaufenen Pudding überleben. Er lacht der Gefahr ins Gesicht... Jeden Tag lauern Gefahren auf uns. Wir können klein beigeben. Oder einfach damit leben.
Die Sonne geht unter, nur um wieder aufzugehen und uns neue Abenteuer zu bringen.


Samstag, 19. November 2016

Ode an den Sandwichmaker


Gepriesen seist du 
oh Sandwichmaker,
Der du teiltest den Toast 
in gerechte Stücke, 
Der du wärmtest ihn 
und schmolzest den Käse.
Verzeihe mir den Kauf des Strahlenkastens,
Du bist das Größte!
So stille meinen Hunger.

Toast.

Donnerstag, 17. November 2016

Fallen

Er lag da, der Tag war lang gewesen und das Sofa sein willkommener Rettungsanker für einen schrecklichen Tag, eine bescheuerte Woche. Der Teppich lag eng um ihn herum, verbrannte ihn wohlig. Alles um ihn herum war ruhig, seine schweren Augen klappten immer wieder zu und der Kopf nickte rhythmisch. Noch hielt der Kampf an, es war aber eher eine Schlacht. Warum sollte er nicht aufgeben? Darum. Warum sollte er nicht etwas anderes machen? Darum. Er lag also da, schwitzte vor sich hin, sinnierte über die Sinnlosigkeit seines Daseins. Da sein. Dort sein. Nicht sein. Und plötzlich wurde die Stille unterbrochen. Seine Ohren waren auf Alarmbereitschaft, als er aufblickte sah er das Schaf. Es muhte. Er war verwirrt. Offensichtlich. Es ginge wohl jedem so. Da liegst du da, hast einen Tag hinter dir, den du als sinnlos betiteln würdest und plötzlich muht vor dir ein Schaf. Er rannte los, wollte das Schaf betatschen, ihm durch sein Fell fahren und es fragen, warum es sich so benahm wie eine Kuh. Doch er war zu langsam, das Schaf öffnete einfach die Türe und fiel hinunter. Weil er so schnell aufgestanden war und über den Parkettboden schlitterte, konnte er nicht mehr abbremsen. Die Türe führte nicht auf den Flur, wie sonst, Tag für Tag für Tag für Tag. Nein, die Türe führte ins Nichts, welches nicht wie definiert nichts war sondern ein Tiefes Loch. Also fielen Schaf und Mensch, Meter für Meter. Seine Augen begannen sich langsam an die Dunkelheit zu gewöhnen, nahmen nun immer mehr Konturen war. Und plötzlich war das Loch nicht mehr dunkel. Er sah Wurzeln. Ok, das war nachvollziehbar. Sah Regenwürmer, auch logisch. Tiefes loch, Wesen aus der Tiefe. Doch dann kam die Zuckerwatte, die überall von den Wänden waberte und als der junge Mann sich in der ersten Nuss der feinen Schokolade verbiss, sah er wieder das Schaf. Es hatte eine Keule rohes Fleisch zwischen den Reiszähnen. Zerfleischte es regelrecht. Graues Fell sah man zwischen der weißen Wolle. Als er weiterfiel, griff er nach dem Fell des Schafes. Er riss dem Wolf den Schafspelz herunter. Desillusionierte das Wesen, das nicht wusste, dass Schafe nicht Muhten. Teuflisch grinste er, denn er wusste, dass er nun tot war. Entweder durch den Aufprall auf dem Boden,  der voller senkrecht stehender Gabeln war oder durch den Wolf. Wölfe waren doof... Gabeln waren auch nicht spitze, oder doch, ja sie waren spitze... in Fleisch, doch nicht in seinem. 
Der Mann wachte auf, öffnete die Augen und... starb durch die Hand des in schwarz gewandeten Mannes. Er stach ihm das Messer so tief in die Brust, dass er nicht viel davon spürte. Er starb nicht durch Gabeln und nicht durch die Zähne des garstigen Wolfes. Er hatte Glück gehabt. 

Samstag, 12. November 2016

One Night


Stell dir vor, es gefällt sehr
Musik zu singen, immer mehr. 
Immer wieder ein gutes Lied.
Ihr brüllt, krächzt und schreit, 
Habt Spaß so viel, 
niemand achtet tickende Zeit.

Doch dann plötzlich das Sein, 
so brutal, gefühlter fallender Stein.
Vergangenes tut weh, ach Erinnerung!
Im Rausch der Lieder,
Im Tausch der Stille.
Kopf Holz das Schild.
Weiß der Vergänglichkeit, 
weiß des pulsierenden
Schmerz, der bohrt im Innersten wie wild.

Lebe jetzt. Denn gestern war
wie morgen so fern.